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ERP-Auswahl für den Mittelstand 2026 - Der Entscheidungsguide

Welches ERP-System passt zu deinem Unternehmen? Xentral, SAP Business One, Microsoft Dynamics oder Billbee? Ein praktischer Leitfaden für KMU.

Fabian12. Jänner 2026Aktualisiert: 27. Jänner 202616 min Lesezeit
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Team bei einer Besprechung mit Post-Its an der Wand - symbolisiert die strategische ERP-Auswahl im Mittelstand

Die Wahl des richtigen ERP-Systems ist eine der wichtigsten Entscheidungen für dein Unternehmen. Einmal eingeführt, begleitet dich das System jahrelang – und ein Wechsel ist teuer, zeitaufwändig und risikobehaftet.

Trotzdem wird diese Entscheidung oft unterschätzt oder aus den falschen Gründen getroffen. Manche wählen nach dem Preis, andere nach dem Bekanntheitsgrad der Marke, wieder andere nach einer beeindruckenden Demo. Das führt dann zu Frust, wenn das System im Alltag nicht funktioniert wie erhofft.

In diesem Guide zeige ich dir einen strukturierten Weg zur richtigen ERP-Entscheidung. Du erfährst, welche Kategorien von Systemen es gibt, für wen welches System passt, und welche typischen Fehler du vermeiden solltest.

Warum die ERP-Wahl so schwierig ist

Die Schwierigkeit bei der ERP-Auswahl liegt darin, dass es kein objektiv bestes System gibt. Es gibt nur das System, das am besten zu deiner spezifischen Situation passt – und diese Situation ist bei jedem Unternehmen anders.

Ein Onlineshop mit 10.000 Bestellungen pro Monat hat andere Anforderungen als ein Großhändler mit 200 B2B-Kunden. Ein Unternehmen mit komplexer Fertigung braucht andere Funktionen als ein reiner Händler. Ein international tätiges Unternehmen hat andere Compliance-Anforderungen als eines, das nur in Deutschland verkauft.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Anbieter naturgemäß ihre Systeme im besten Licht präsentieren. Die Demos sind perfekt choreografiert, die Referenzkunden sorgfältig ausgewählt, die Schwächen geschickt kaschiert. Als Laie ist es schwer zu erkennen, was Substanz ist und was Marketing.

Und schließlich ist die ERP-Entscheidung eine Zukunftsentscheidung. Du wählst nicht nur für heute, sondern für die nächsten fünf bis zehn Jahre. Das System muss mit deinem Unternehmen mitwachsen, ohne dass du ständig an Grenzen stößt.


Die ERP-Landschaft 2026

Um die Orientierung zu erleichtern, teile ich den ERP-Markt in vier Kategorien ein. Diese Kategorien orientieren sich an der Unternehmensgröße und Komplexität, nicht an der Qualität der Systeme.

Kategorie 1: Enterprise ERP für Konzerne

Diese Kategorie umfasst Systeme wie SAP S/4HANA, Oracle ERP Cloud und Microsoft Dynamics 365 Finance. Sie richten sich an Konzerne und große Mittelständler mit über 100 Millionen Euro Umsatz.

Die Vorteile dieser Systeme liegen in ihrem extremen Funktionsumfang. Sie decken buchstäblich jeden denkbaren Geschäftsprozess ab, von komplexer Konzernkonsolidierung über internationale Compliance bis hin zu branchenspezifischen Prozessen in Chemie, Pharma oder Automotive. Sie skalieren problemlos bis zur Konzerngröße und haben eine globale Partner-Infrastruktur.

Die Nachteile sind ebenso deutlich: Diese Systeme kosten typischerweise über 100.000 Euro pro Jahr, und die Einführung dauert ein bis drei Jahre. Du brauchst ein internes IT-Team, das sich dauerhaft um das System kümmert. Die Komplexität ist für kleinere Unternehmen überwältigend.

Meine ehrliche Einschätzung: Für die meisten Leser dieses Artikels sind diese Systeme massiv überdimensioniert. Sie machen Sinn, wenn du 500 oder mehr Mitarbeiter hast und internationale Strukturen abbilden musst. Für ein wachsendes KMU sind sie der falsche Ansatz.

Kategorie 2: Mittelstands-ERP für etablierte Unternehmen

In diese Kategorie fallen Microsoft Dynamics 365 Business Central (das frühere NAV), SAP Business One und Sage X3. Die Zielgruppe sind etablierte Mittelständler mit zehn bis 100 Millionen Euro Umsatz.

Diese Systeme bieten umfangreiche Funktionen für Finanzwesen, Logistik, Produktion und Vertrieb. Es gibt eine etablierte Partner-Landschaft mit viel Branchenerfahrung, und für viele Industrien existieren spezialisierte Branchenlösungen.

Die Kostenseite ist differenzierter als oft dargestellt: Cloud-Lizenzen beginnen bei etwa 50 bis 110 Euro pro Nutzer und Monat – für zehn Nutzer also 6.000 bis 13.000 Euro pro Jahr. On-Premise-Modelle erfordern höhere Anfangsinvestitionen. Die Einführung kostet typischerweise 10.000 bis 100.000 Euro und dauert sechs bis achtzehn Monate. Individuelle Anpassungen sind möglich, aber teuer. Du brauchst zwar kein volles IT-Team, aber mindestens einen Key User, der sich intensiv mit dem System beschäftigt.

Diese Systeme sind eine gute Wahl für produzierende Betriebe mit komplexen Fertigungsprozessen, für Unternehmen mit umfangreichen B2B-Strukturen und Vertriebsorganisationen, oder für Branchen, in denen es bewährte Branchenlösungen auf dieser Plattform gibt.

Kategorie 3: Cloud ERP für moderne KMU

Hier finden sich Xentral, weclapp, Haufe X360 und ähnliche Anbieter. Die Zielgruppe sind kleine und mittlere Unternehmen mit einem bis 30 Millionen Euro Umsatz, typischerweise im E-Commerce oder dienstleistungsnahen Handel.

Der große Vorteil dieser Kategorie: bezahlbare Kosten zwischen 4.000 und 10.000 Euro pro Jahr. Xentral bietet Paketpreise mit unbegrenzten Nutzern (ab 349 Euro monatlich), weclapp rechnet pro Nutzer ab (39 bis 169 Euro pro Nutzer monatlich). Die Einführung dauert zwei bis acht Wochen, moderne Benutzeroberflächen und kontinuierliche Updates kommen ohne eigenes Zutun.

Die Einschränkungen sind, dass diese Systeme weniger anpassbar sind als die großen Enterprise-Lösungen. Es gibt weniger Branchenlösungen, und du bist stärker vom Anbieter abhängig, weil du keine eigene Installation hast.

Für E-Commerce-Unternehmen, die schnell wachsen wollen, ohne ein Vermögen für IT auszugeben, ist diese Kategorie der Sweet Spot. Die Systeme sind modern, die Einführung ist überschaubar, und die Kosten skalieren mit dem Geschäft.

Kategorie 4: Einsteiger-Lösungen für Startups

In diese Kategorie gehören Billbee, Easybill, sevDesk und Lexoffice. Sie richten sich an Startups und Kleinunternehmer mit unter einer Million Euro Umsatz.

Der offensichtliche Vorteil: Diese Lösungen sind günstig. Buchhaltungssoftware wie sevDesk (ab 155 Euro pro Jahr) oder Lexoffice (ab 71 Euro pro Jahr) deckt die Basics ab. Billbee für Multichannel-Verkäufer ist nutzungsbasiert – ab 9 Euro Grundgebühr plus circa 0,08 bis 0,24 Euro pro Bestellung, sodass du bei 500 Bestellungen im Monat etwa 120 Euro zahlst. Sie sind sofort einsatzbereit, praktisch ohne Einrichtungsaufwand. Für den Einstieg in die digitale Geschäftsführung sind sie perfekt.

Die Grenzen zeigen sich beim Wachstum. Die Automatisierungsmöglichkeiten sind begrenzt, die Skalierbarkeit ist eingeschränkt, und irgendwann ist ein Systemwechsel unvermeidlich.

Meine Einschätzung: Perfekt zum Starten, aber plane von Anfang an, dass du irgendwann wechseln wirst. Das ist kein Fehler des Systems – es ist einfach für eine andere Zielgruppe gebaut.


Die richtige Wahl treffen: Ein strukturierter Prozess

Anstatt intuitiv oder nach Bauchgefühl zu entscheiden, empfehle ich einen strukturierten Prozess in mehreren Schritten.

Schritt 1: Anforderungen systematisch erfassen

Bevor du überhaupt anfängst, Systeme zu vergleichen, solltest du deine eigenen Anforderungen dokumentieren. Das klingt offensichtlich, wird aber oft übersprungen – mit der Folge, dass man später feststellt, dass das gewählte System wichtige Dinge nicht kann.

Starte mit deinem Geschäftsmodell: Verkaufst du an Endkunden, an Geschäftskunden, oder beides? Läuft dein Geschäft primär online, offline, oder hybrid? Bist du reiner Händler, oder hast du auch Eigenproduktion?

Dann schau auf das Volumen: Wie viele Aufträge verarbeitest du pro Tag oder Monat? Wie viele Artikel oder SKUs hast du im System? Wie viele Mitarbeiter sollen mit dem System arbeiten?

Die Vertriebskanäle sind wichtig: Welche Shop-Systeme nutzt du – Shopify, WooCommerce, Magento? Welche Marktplätze bespielst du – Amazon, eBay, Otto? Welche Zahlungsanbieter sind angebunden?

Dann die Prozesse: Wie komplex ist dein Lager – ein Raum mit Regalen oder ein echtes Logistikzentrum? Brauchst du Produktions- oder Fertigungssteuerung? Wie wichtig ist Automatisierung für dein Tagesgeschäft?

Und schließlich die Buchhaltung: Brauchst du DATEV-Export? Welche Steuerszenarien hast du – OSS für EU-Verkäufe, Drittland-Exporte? Macht die Buchhaltung jemand intern oder der Steuerberater?

Schritt 2: Budget realistisch kalkulieren

Einer der häufigsten Fehler bei der ERP-Auswahl ist, das Budget zu optimistisch zu planen. Die Lizenzkosten sind nur ein Teil der Gesamtkosten.

Für Einsteiger-Lösungen wie sevDesk oder Lexoffice liegt die Lizenz bei 70 bis 400 Euro pro Jahr. Billbee ist nutzungsbasiert und kostet je nach Bestellvolumen 100 bis 5.000 Euro pro Jahr. Dazu kommen null bis 500 Euro für Einrichtung, ähnliche Beträge für Schulung, praktisch keine Möglichkeit für Anpassungen, und der Support ist inklusive.

Bei Cloud-ERP für KMU wie Xentral oder weclapp sind es 4.000 bis 10.000 Euro Lizenzkosten pro Jahr – bei weclapp abhängig von der Nutzeranzahl. Die Einrichtung kostet typischerweise 2.000 bis 10.000 Euro, Schulungen 1.000 bis 3.000 Euro, Anpassungen nochmal 2.000 bis 10.000 Euro, und für laufenden Support solltest du 1.000 bis 5.000 Euro pro Jahr einplanen.

Mittelstands-ERP wie SAP Business One oder Business Central kostet als Cloud-Lösung etwa 10.000 bis 15.000 Euro pro Jahr für zehn Nutzer, On-Premise-Lizenzen plus Wartung liegen höher. Die Einführung kostet 10.000 bis 100.000 Euro je nach Komplexität, Schulungen 5.000 bis 20.000 Euro, Anpassungen 5.000 bis 50.000 Euro, und der Support liegt bei 3.000 bis 15.000 Euro pro Jahr.

Als Faustformel: Rechne im ersten Jahr mit dem Zwei- bis Dreifachen der reinen Lizenzkosten. Das deckt Einführung, Schulung, erste Anpassungen und unvorhergesehene Aufwände ab.

Schritt 3: Die Zukunft mitdenken

Ein ERP-System wählst du nicht für heute, sondern für die nächsten fünf bis zehn Jahre. Deshalb solltest du dir Gedanken machen, wo dein Unternehmen in dieser Zeit stehen soll.

Planst du eine Verdopplung oder Verdreifachung des Umsatzes? Dann ist Skalierbarkeit wichtig – nicht nur in Bezug auf die Kosten, sondern auch auf die Systemperformance und die Prozesse.

Willst du international expandieren? Dann brauchst du Multi-Währung-Unterstützung, eventuell mehrere Sprachen, und musst Compliance-Anforderungen verschiedener Länder erfüllen können.

Planst du neue Vertriebskanäle? Dann sollte das System flexible Integrationen ermöglichen, nicht nur die, die heute relevant sind.

Wird dein Team wachsen? Dann achte auf Nutzer-Modelle. Manche Systeme berechnen pro Nutzer, bei anderen sind die Nutzer inklusive. Das kann bei zehn oder zwanzig Nutzern einen erheblichen Kostenunterschied machen.


Xentral im Vergleich mit Alternativen

Da dieser Blog sich auf Xentral spezialisiert, hier ein ehrlicher Vergleich mit den relevantesten Alternativen.

Xentral vs. SAP Business One

Beide Systeme adressieren den Mittelstand, aber mit unterschiedlichem Fokus. SAP Business One ist stark in der Produktion und Fertigung, Xentral ist stark im E-Commerce.

Die Kosten unterscheiden sich je nach Modell: Xentral liegt bei circa 4.200 bis 8.600 Euro pro Jahr (349-719 Euro monatlich). SAP Business One bietet mittlerweile auch Cloud-Lizenzen ab 91 Euro pro Nutzer und Monat (Professional) – bei zehn Nutzern also etwa 10.900 Euro pro Jahr. On-Premise-Lizenzen kosten einmalig circa 2.700 Euro pro Nutzer plus jährliche Wartung. Hinzu kommen bei SAP typischerweise 10.000 bis 50.000 Euro Implementierungskosten. Die Einführung dauert bei Xentral zwei bis acht Wochen, bei SAP Business One sechs bis zwölf Monate.

In Sachen E-Commerce-Funktionalität hat Xentral klare Vorteile mit nativen Shopify- und Amazon-Integrationen. SAP Business One braucht dafür Drittanbieter-Lösungen. Umgekehrt hat SAP Business One die Nase vorn bei komplexer Fertigungssteuerung, Stücklisten und Produktionsplanung.

Mein Fazit: Für E-Commerce-Unternehmen ist Xentral die bessere Wahl. Für produzierende Betriebe mit komplexen Fertigungsprozessen kann SAP Business One mehr Sinn machen.

Xentral vs. Microsoft Dynamics Business Central

Business Central ist das frühere NAV und hat eine breite Funktionspalette, die viele Branchen abdeckt. Xentral ist fokussierter auf E-Commerce und Handel.

Die Kostenstruktur: Xentral liegt bei circa 4.200 bis 8.600 Euro pro Jahr mit unbegrenzten Nutzern. Business Central rechnet pro Nutzer ab – seit November 2025 gelten neue Preise: Essentials kostet 80 US-Dollar pro Nutzer und Monat, Premium 110 US-Dollar. Bei zehn Nutzern im Essentials-Tarif sind das etwa 9.600 US-Dollar (circa 8.800 Euro) pro Jahr. Hinzu kommen bei Business Central typischerweise 35.000 bis 90.000 Euro Implementierungskosten.

Bei E-Commerce-Integrationen hat Xentral mit dem Shopify Connector einen klaren Vorteil – direkt als App im Shopify App Store verfügbar. Business Central braucht Drittanbieter-Lösungen, die zusätzlich kosten und gewartet werden müssen. Auch bei Amazon und anderen Marktplätzen ist Xentral besser aufgestellt.

Mein Fazit: Für E-Commerce-Unternehmen ist Xentral schneller und günstiger. Business Central macht Sinn, wenn du ein breiteres Anforderungsprofil hast, das über reinen Handel hinausgeht.

Xentral vs. weclapp

weclapp ist der direkteste Wettbewerber zu Xentral im Cloud-ERP-Segment für KMU. Beide Systeme haben ähnliche Zielgruppen, aber unterschiedliche Preismodelle.

Die Preise: Xentral arbeitet mit Paketpreisen – ab 349 Euro pro Monat (Starter) bis circa 719 Euro pro Monat (Business), inklusive unbegrenzter Nutzer. Weclapp hingegen rechnet pro Nutzer ab: 39 Euro pro Nutzer im Starter-Tarif, 69 bis 89 Euro pro Nutzer für ERP Dienstleistung, und 139 bis 169 Euro pro Nutzer für ERP Handel. Bei einem Team von fünf Nutzern im Handel-Tarif zahlst du bei weclapp also 695 bis 845 Euro pro Monat.

Der größte Unterschied liegt in der Automatisierung. Xentral Flows ermöglichen komplexe Workflow-Automatisierungen – allerdings ist die individuelle Flow-Erstellung derzeit nur für Premium-Kunden oder über zertifizierte Partner verfügbar. Weclapp bietet einfachere, aber direkt zugängliche Automatisierungsfunktionen.

Mein Fazit: Xentral lohnt sich besonders bei größeren Teams (ab fünf Nutzern), da die Nutzeranzahl inklusive ist. Weclapp kann bei kleinen Teams mit zwei bis drei Nutzern günstiger sein.


Typische Fehler bei der ERP-Auswahl vermeiden

Aus meiner Beratungspraxis kenne ich die Fehler, die immer wieder gemacht werden. Hier die häufigsten und wie du sie vermeidest.

Fehler 1: Zu groß starten

Das Szenario: Ein Unternehmen mit zehn Mitarbeitern und drei Millionen Euro Umsatz entscheidet sich für SAP, weil "man damit auf der sicheren Seite ist".

Das Problem: Die Einführung dauert ein Jahr, verschlingt 150.000 Euro, und am Ende nutzt das Unternehmen vielleicht zehn Prozent der Funktionen. Die Komplexität überfordert das Team, niemand will das System bedienen, und die erhoffte Effizienzsteigerung bleibt aus.

Besser: Mit einem Cloud-ERP starten, das zur aktuellen Größe passt. Wenn du wirklich so groß wirst, dass du SAP brauchst, kannst du immer noch wechseln – dann hast du auch die Ressourcen dafür.

Fehler 2: Zu klein planen

Das Szenario: Ein Unternehmen mit zwei Millionen Euro Umsatz und 100 Bestellungen am Tag bleibt bei Billbee, weil "es ja funktioniert".

Das Problem: Das System stößt an seine Grenzen. Die Automatisierung fehlt, der DATEV-Export macht Probleme, die Lagersteuerung ist zu basic. Das Team verbringt Stunden mit manueller Arbeit, die automatisierbar wäre.

Besser: Rechtzeitig upgraden. Die Wechselkosten sind geringer als die Kosten für ineffiziente Prozesse über Jahre hinweg.

Fehler 3: Nach Feature-Liste entscheiden

Das Szenario: Du vergleichst drei Systeme in einer Excel-Tabelle mit 100 Features. System A hat 85 Haken, System B hat 82, also nimmst du System A.

Das Problem: Die meisten Features auf der Liste wirst du nie nutzen. Und die Features, die für dich wirklich wichtig sind, haben in der Liste das gleiche Gewicht wie alle anderen.

Besser: Definiere deine zehn wichtigsten Anforderungen und prüfe gezielt diese. Lass dich nicht von Feature-Listen blenden.

Fehler 4: Die Demo überbewerten

Das Szenario: Der Vertriebler führt eine perfekte Demo vor. Alles funktioniert reibungslos, die Oberfläche ist schick, du bist begeistert.

Das Problem: Demos sind choreografiert. Sie zeigen die Schokoladenseite des Systems, nicht die tägliche Realität mit ihren Ecken und Kanten.

Besser: Referenzkunden kontaktieren und ehrliches Feedback einholen. Das System selbst testen, idealerweise mit deinen eigenen Daten.

Fehler 5: Das interne Team unterschätzen

Das Szenario: Du kaufst ein ERP-System und erwartest, dass der Dienstleister alles macht. Intern ist niemand abgestellt, der sich kümmert.

Das Problem: Ohne internen Champion funktioniert keine ERP-Einführung. Der Dienstleister kennt deine Prozesse nicht im Detail, kann keine Entscheidungen für dich treffen, und braucht Ansprechpartner für Rückfragen.

Besser: Mindestens eine Person zu fünfzig Prozent für zwei bis drei Monate für die Einführung einplanen. Diese Person ist der interne Experte, der das System kennenlernt und das Wissen im Team verbreitet.


Praxis-Beispiel: Eine echte ERP-Entscheidung

Um zu zeigen, wie der Auswahlprozess in der Praxis aussehen kann, hier ein anonymisiertes Beispiel aus meiner Beratung.

Die Ausgangssituation: Ein Onlineshop für Bürobedarf, 1,8 Millionen Euro Umsatz, circa 150 Bestellungen am Tag. Das Team bestand aus fünf Personen, davon zwei im Lager. Die aktuelle Lösung war eine Kombination aus Billbee und Excel.

Die Probleme: Die manuelle Arbeit war enorm. Bestellungen mussten teilweise von Hand in Billbee eingepflegt werden. Der DATEV-Export war fehleranfällig. Das Lager war chaotisch, weil es keine echte Lagersteuerung gab.

Der Auswahlprozess: Wir haben zunächst die Anforderungen dokumentiert: primär B2C mit etwas B2B, zwei Kanäle (eigener Shop und Amazon), DATEV-Export essentiell, Automatisierung gewünscht, Lagersteuerung nötig.

Auf der Longlist standen: Xentral, weclapp, JTL, Microsoft Business Central. Nach Demos und Gesprächen mit Referenzkunden blieben Xentral und weclapp auf der Shortlist.

Die Entscheidung fiel auf Xentral – primär wegen der besseren Automatisierungsmöglichkeiten durch Flows und der stärkeren Amazon-Integration.

Das Ergebnis: Die Einführung dauerte sechs Wochen. Die Bestellverarbeitung ist jetzt zu achtzig Prozent automatisiert. Der DATEV-Export funktioniert zuverlässig. Das Lager wurde neu organisiert mit echten Lagerplätzen.

Die Kosten: Lizenz circa 6.000 Euro im ersten Jahr, Einführung circa 8.000 Euro, Schulung circa 2.000 Euro. Gesamtkosten im ersten Jahr: 16.000 Euro.

Der ROI: Die eingesparte Arbeitszeit entspricht ungefähr einer halben Vollzeitstelle. Bei einem Arbeitgeberkosten von 35.000 Euro pro Jahr amortisiert sich die Investition innerhalb von zwölf Monaten.


Häufige Fragen (FAQ)

Wie lange dauert eine ERP-Einführung?

Das hängt stark vom System und der Komplexität ab. Cloud-ERPs wie Xentral sind typischerweise in zwei bis acht Wochen eingeführt. Mittelstands-ERPs wie SAP Business One brauchen sechs bis zwölf Monate. Enterprise-Systeme können ein bis drei Jahre dauern.

Kann ich mein bestehendes System parallel weiterlaufen lassen?

Ja, das ist sogar empfehlenswert. Ein Parallelbetrieb von einer bis vier Wochen reduziert das Risiko und ermöglicht Korrekturen, bevor das alte System abgeschaltet wird.

Was passiert mit meinen historischen Daten?

Die meisten wichtigen Daten können migriert werden: Kunden, Artikel, offene Aufträge, Bestellhistorie. Wie weit zurück migriert wird, ist eine Kosten-Nutzen-Frage. Oft reichen die letzten zwölf bis 24 Monate.

Brauche ich einen externen Berater?

Für Cloud-ERPs nicht zwingend, aber empfehlenswert. Der Berater kennt die Fallstricke und kann die Einführung beschleunigen. Die Kosten für Beratung sparen sich meist durch vermiedene Fehler und schnellere Produktivität.

Was, wenn ich mit dem System unzufrieden bin?

Ein Wechsel ist möglich, aber teuer. Deshalb ist eine sorgfältige Auswahl so wichtig. Die meisten Anbieter haben Kündigungsfristen von drei bis zwölf Monaten.

Wie finde ich den richtigen Implementierungspartner?

Frage nach Referenzen aus deiner Branche. Prüfe, ob der Partner zertifiziert ist. Achte auf die Chemie im persönlichen Gespräch – ihr werdet eng zusammenarbeiten.


Meine Empfehlung

Für die meisten E-Commerce-KMU mit 500.000 bis zehn Millionen Euro Umsatz ist Xentral eine sehr gute Wahl. Es bietet eine schnelle Einführung, bezahlbare Kosten ab circa 4.200 Euro pro Jahr mit unbegrenzten Nutzern, starke E-Commerce-Features und eine gute DATEV-Integration. Für die volle Automatisierungs-Power durch Flows empfehle ich das Premium-Paket oder die Zusammenarbeit mit einem zertifizierten Partner.

Aber: Jedes Unternehmen ist anders. Wenn du komplexe Fertigungsprozesse hast, kann SAP Business One oder Business Central besser passen. Wenn du ein kleines Team mit zwei bis drei Nutzern hast, ist weclapp eine preisliche Alternative. Wenn du erst am Anfang stehst, reicht Billbee für den Moment.

Die richtige Entscheidung findest du nur, wenn du deine eigene Situation ehrlich analysierst und verschiedene Optionen systematisch vergleichst. Ich helfe dir gerne dabei.


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Fabian

Fabian

Xentral Berater & E-Commerce Experte

Nach dem Aufbau eines eigenen Logistik-Business mit 3.5M EUR Jahresumsatz berate ich heute KMU bei der Xentral-Einführung. Praktiker-Wissen statt Theorie.

Zertifizierter Xentral Partner50+ erfolgreiche Xentral-Projekte8+ Jahre E-Commerce Erfahrung
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